1982

Arzt sucht Verbindung

... zur hey-Redaktion

Am 11. Februar 1982 wandte sich der Oberarzt der Medizinischen Universitätsklinik Inselspital Bern, Dr. J. Schädelin, "mit einer medizinischen Fragestellung" an die Redaktion der Zeitschrift hey, weil er sich "verspreche, über das Homophilenmagazin zusätzliche Information zu finden." Sein Schreiben (heute im sas, Schwulenarchiv Schweiz) lautete:

"[...] In den letzten zwei Jahren ist [...] ein neuartiges Krankheitsbild beschrieben worden, [...]. Wir besitzen zurzeit keinerlei Hinweise, welche Ursachen dafür verantwortlich sein könnten, dass fast nur Homophile von dieser Krankheit befallen werden.

Inzwischen haben auch wir einen derartigen Patienten behandelt, meines Wissens der zweite in Europa. Gleich wie unsere amerikanischen Kollegen sind wir zum Verständnis dieser Krankheit auf zusätzliche Information und allenfalls eine grössere epidemiologische Studie angewiesen. Dies erweist sich als besonders schwierig, da die Krankheit nur wenigen spezialisierten Ärzten bekannt ist; es ist sehr gut möglich, dass eine Reihe früherer Fälle ohne korrekte Diagnose abgelaufen sind.

Ich habe mir daher vorgestellt, dass ich durch einen Artikel in Ihrem Magazin die schweizerischen Homophilen auf diese [...] Gefährdung aufmerksam machen könnte, zusätzlich erhoffe ich mir [...] Antworten und Hinweise, [...] ob unbemerkt schon früher derartige Krankheitsfälle [...] vorgekommen sind.

Sicher wird eine derartige Aufklärung auch erlauben, dass [...] damit eine spezifische Behandlung nicht [...] lange verzögert wird. Auf jeden Fall scheint uns wichtig, alle Untersuchungen auszunützen, die zum Verständnis dieses [...] Krankheitsbildes beitragen und vielleicht einmal helfen, durch prophylaktische Massnahmen die [...] Gefährdung der Homosexuellen abzubauen.

Bitte berichten Sie mir, ob Sie ein solches Vorgehen für tauglich halten [...]."

Ernst Ostertag, August 2007