1985

Flugblatt

Innenseiten

Dieses erste Flugblatt vom Februar 1985 wurde gemeinsam herausgegeben von der HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich) und der SOH (Schweizerische Organisation der Homophilen). Sein Titel lautete: "Sex und Aids" und darunter formten die vier Buchstaben AIDS den Slogan: "Angst Ist Das Schlimmste".

Auf der Rückseite hiess es:

"Alleine mit Aids und seinen Problemen? Hast Du Fragen, bist Du unsicher oder willst Du mal mit jemandem reden?"

Darunter folgten Hinweise auf die Nummer und Bedienungszeiten des Aids-Beratungstelefons, Adressangaben zum Begegnungszentrum am Sihlquai 67 und zur Disco ZABI (Zabriskie Point). Auch die Aids-Sprechstunde des Universitätsspitals war angegeben.

Flyer, Vorderseite

Flyer, Vorderseite

Erster Flyer mit Informationen über AIDS, Vorderseite.

Urheber
Urheber: SOH und HAZ
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 0216
Erster Flyer mit Informationen über AIDS, Vorderseite
Flyer, Rückseite

Flyer, Rückseite

Erster Flyer mit Informationen über AIDS, Rückseite.

Urheber
Urheber: SOH und HAZ
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 0217
Erster Flyer mit Informationen über AIDS, Rückseite

Zog man das rosafarbene, dreifach gefaltete Flugblatt auseinander, kam der eigentliche Inhalt zum Vorschein. Dieser entsprach dem damaligen Wissensstand, zusammengefasst auf den Innenseiten zwei, drei und vier:

"Was ist Aids?" mit Angabe der Symptome im Frühstadium, die aber nur eine ärztliche Untersuchung richtig beurteilen könne.

"Ausbreitung der Krankheit" mit einer Grafik zum steilen Anstieg der Ansteckungen und ersten Angaben zur Prävention.

"Nun zum Sex" mit der Zeichnung eines nackten Mannes. Dazu gehörte die Aufzählung von riskanten Sexpraktiken und jenen, die kein Risiko in sich bergen. Die Freude an gutem Sex solle nicht verteufelt werden, hiess es am Schluss, es gebe viele mögliche Spielformen: "Hab Mut zur Phantasie! Sex ist auf alle Arten schön."

Am stärksten betroffen und gefährdet waren die jüngeren und sexuell aktivsten Männer. Sie galt es anzusprechen. Darum das Vorwort auf der ersten Innenseite:

"WAS soll dieses Flugi?

Du hältst kein neues Sensationsgeschichtlein über Aids in den Händen. [...]

Wir wollen Dich über den neuesten Stand in der Medizin und Aids-Forschung informieren und einige Hinweise geben, wie Du mit dieser Krankheit umgehen kannst.

Denn diese Krankheit bedroht uns real. Das zu verdrängen ist die schlechteste Möglichkeit damit umzugehen! Und die Angst, die von den vielen Meldungen und der Ungewissheit ausgelöst wurde, ist ein übler Partner für unser Leben.

Wir wollen Dir nichts verbieten!

Wir wollen Möglichkeiten aufzeigen, wie wir ohne Angst trotzdem aufregenden, lustvollen und guten Sex erleben können. Und hoffentlich gleichzeitig etwas gegen die unheimliche, rapide Ausbreitung der Krankheit tun können."

Am 3. März 1985 schrieb Jürgen Roland vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH), Berlin, an HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich) und SOH (Schweizerische Organisation der Homophilen). Die DAH wurde am 2. Februar 1984 gegründet. Das Schreiben lautete :

"Wir haben erfahren, dass die SOH zusammen mit der HAZ ein Faltblatt zu dem Thema 'safe sex' bzw. 'Risikoverminderung beim Sex' herausgegeben hat. Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr uns davon etwa 30 Exemplare zusenden würdet. [...] Irgendwelche Buschtrommeln haben uns verlauten lassen, dass Euer Faltblatt sehr gelungen sein soll. Anbei findet Ihr eine Reihe von Broschüren zum Thema AIDS, die bisher so in deutschen Landen erschienen sind. [...] In der Hoffnung auf einen regen Informationsaustausch zwischen unseren Organisationen, verbleiben wir mit lieben Grüssen [...]"

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Ernst Ostertag, Januar 2008