1988

Hearing: StGB

16. August

Die AG Bundespolitik antwortete am 9. August und gab Rolf Trechsel als ihren Vertreter bekannt. Laut Protokoll der Sitzung AG Bundespolitik vom 10 August galt er offiziell auch als Repräsentant der HACH (Dachorganisation der Homosexuellen Arbeitsgruppen Schweiz), SOH (Schweizerische Organisation der Homosexuellen) und der ILSJS (Initiative lesbisch/schwule Jugend Schweiz).

Ein weiterer Punkt: das Wort "schwul" sei am Hearing zu vermeiden. Sein Referat wurde gemeinsam redigiert. Es umfasst sechs Seiten und trägt über dem Text Rolfs handschriftliche Bemerkung: "Nicht zu schnell!" Zudem sind wichtige Begriffe rot markiert und dienten offenbar als Anhaltspunkte beim Lesen:1

Rolf Trechsel

Rolf Trechsel

Rolf Trechsel. Quelle: Ausschnitt aus dem Foto Rolf Trechsel (ID: 0247b).

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Sammlung Rolf Trechsel, Zürich
Rechte
© Rolf Trechsel, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 0247a
Rolf Trechsel

"Ich möchte Ihnen für die Einladung an dieses Hearing und für die Gelegenheit, einmal kurz die Erfahrungen und Ansichten von Homosexuellen darlegen zu dürfen, herzlich danken.

[...] Zum Artikel 194 (StGB) möchte ich mich nur kurz äussern: Expertenkommission wie Bundesrat haben klar die Aufhebung dieses Artikels beantragt [...].

Die Begründung des Bundesrates dazu ist bemerkenswert klar und eindeutig: Eine besondere Schutzaltersgrenze sei mit dem Grundsatz der Gleichbehandlung von gleich- und verschiedengeschlechtlicher Sexualität unvereinbar, [...]. Er erwähnt im Weiteren auch die bekannten Forschungsresultate, wonach im Alter von 16 Jahren die sexuelle Entwicklung der Jugendlichen in hetero-, homo- oder bisexueller Richtung bereits festgelegt, eine 'Verführung' zu homosexueller Anlage oder homosexueller 'Gewohnheit' also unmöglich sei. Es ist höchste Zeit, dass diese Ungleichbehandlung von hetero- und homosexuell veranlagten Menschen, die so viel Unglück und Unrecht hervorgebracht hat, aus der Welt geschafft wird. Dieses Anliegen scheint kaum mehr umstritten, hat doch auch der als konservativ geltende Ständerat einer Streichung [...] diskussionslos zugestimmt.

Trotz des Bekenntnisses des Bundesrates und der Expertenkommission zu einer Gleichbehandlung [...] haben beide am Verbot von homosexuellen Handlungen im Militär festgehalten. [...]"

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Ernst Ostertag, April 2008

Quellenverweise
1

Rolf Trechsel hat sein Exemplar des Referats als Unterlage an Ernst Ostertag ausgeliehen. Es befindet sich in Rolf Trechsels Besitz.