1998

Neue GV-Tradition

"Die andere Art normal zu sein"

Am Nachmittag, nun Tradition bei allen späteren Generalversammlungen, waren kulturelle Programme und für den Abend ein festliches Diner an exklusivem Ort arrangiert worden. Auch das schuf Tradition: Verantwortlich für die Gestaltung war ein von der Regionalgruppe eingesetztes Organisationsteam. Diesmal bestand es aus dem Leiter der Berner Gruppe, Daniel Weber, seinem Lebenspartner Alex Leusink und anderen Berner Mitgliedern: Franz Baumberger, Robert Wyss, Martin Schweizer, Toni Stoss, Christian Schmid und Heinz Rub. Zum Kulturprogramm, wozu ein Besuch im Kunstmuseum Bern mit seiner Ausstellung "Die Blaue Vier" gehörte, äusserte sich Peer Rosenkranz im GV-Bericht: (veröffentlicht in den Network News)1

"Da Network tagte, wurde die Ausstellung [um eine Woche] verlängert, wovon natürlich auch die Bundeshauptstadt profitieren konnte. [...] Ein herzliches Dankeschön an Museumsdirektor und Networker Toni Stoss, der uns diesen Einblick in eine kaum bekannte Facette der Klassischen Moderne ermöglichte. Durch seine fachkundige Führung und die zweier versierter Kollegen bekamen wir einen besseren Blickwinkel auf das 'Kleeblatt' Feininger, Jawlensky, Kandinsky und Klee.

Dass man im Alter von 90 Jahren noch so manchen jungen 'Schnösel' in die Tasche stecken kann und kein Blatt vor den Mund nehmen muss, bewies uns der schwule Professor Alphons Silbermann. Um 17 Uhr konnten wir seine Lebensgeschichte und seine unkonventionelle Sicht auf die Dinge erfahren, sei es zum Thema Homosexualität oder sei es zur Gesellschaft allgemein: Die Gesellschaft sollte sich dahingehend entwickeln, dass sie nicht mehr auf die bisherige Perspektive des 'anormalen' Schwulen verweist, sondern des Schwulen 'Andere Art, normal zu sein' endlich erkennt. Wobei die Überzeugungsmühen bei eingefleischten Schwulenhassern vergeudete Energie bedeute. Die Ehe könne nie eine Institution der Schwulen sein, denn sie sei eine sakrosankte Einrichtung der heterosexuellen Gesellschaft. Jedoch ist es des Schwulen Recht, für eine juristische Gleichstellung durch eine registrierte Partnerschaft zu kämpfen. [...]"

Ernst Ostertag, Juni 2008

Quellenverweise
1

Network-News, Nr. 8/1998, Seite 4