1916-1988

Jürg Amstein

Jürg Amstein und Paul Burkhard

Jürg Amstein und Paul Burkhard

Premiere 'Der schwarze Hecht' 1948, Jürg Amstein, 1916-1988, und Paul Burkhard, 1911-1977. Quelle: Erschienen im Buch: Paul Burkhard, Orell Füssli Verlag AG, S. 59.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Sammlung: Ursula Schellenberg, Zell
Rechte
© Nachlass Paul Burkhard
Sammlungs Nr.
ID: 0042a
Premiere 'Der schwarze Hecht' 1948, Jürg Amstein, 1916-1988, und Paul Burkhard, 1911-1977

Jürg Amstein war unter seinem bürgerlichen Namen Georg Schmidt (1916-1988) Primarlehrer. Nach dem Besuch des Lehrerseminars studierte er Musik am Zürcher Konservatorium und daneben auch Journalismus. Von 1940 bis 1946 war er an der Schweizerschule in Barcelona tätig und schrieb nebenbei Sketches für die beliebten Ausstattungsrevuen der Compañia Vienesa Kaps-Joham. 1949 liess er sich an eine Stelle als Mittelstufenlehrer (4. bis 6. Schuljahr) in Zürich-Oerlikon wählen. Zugleich gestaltete er Schulfunksendungen am Radio und war bald Direktor dieses Programms. Für den Schulfunk arbeitete er viele Jahre erfolgreich und mit grossem Einsatz. 

Unter dem Künstlernamen Jürg Amstein hatte er 1939 zusammen mit dem Komponist Paul Burkhard das musikalische Erfolgsstück "Der schwarze Hecht" zur Eröffnung der Schweizerischen Landesausstellung erschaffen. Die Uraufführung fand am 1. April im Zürcher Schauspielhaus statt. Es folgten viele Hörspiele, für die er auch Preise erhielt, so 1948 den Hörspielpreis von Radio Zürich für die Kriminalkomödie "Seltsame Wege". Zudem war er ein gefragter Verfasser von Libretti wie "Das Spyl vom Rychen Mann und dem armen Lazarus" (1953) und "Nach em Räge schiint d'Sunne" (1954), einer Operette mit Musik von Artur Beul, desgleichen schrieb er die Libretti der Radio-Operette "Der Regenpfeifer" (1956) und "Der grüne Domino" (1958). Auch Cabaret-Nummern u.a. für Voli Geiler und Walter Morath und für das Cabaret Federal sowie Liedtexte für Artur Beul und Paul Burkhard, mit denen er befreundet war, und für viele andere stammen von ihm,  ebenso wie viele kleinere Theater- und Filmtexte und Sketches, die er sozusagen nebenbei für diverse Bühnen und Anlässe erfand. Sein grösster Erfolg blieb "Der schwarze Hecht", der ab 1950 in Neufassung "Feuerwerk" hiess und auch verfilmt wurde. Daraus schaffte es das Lied "Oh mein Papa" zum Welthit, was Jürg Amstein so viele Tantiemen einbrachte, dass er sorglos ein reines Künstlerleben fristen konnte. Trotzdem blieb er weiterhin als Lehrer Georg Schmidt in Zürich-Oerlikon tätig. Allerdings kaufte er nach dem Tod seiner Mutter, deren Mädchenname Amstein er sich zum Künstlernamen genommen hatte, ein Haus an der Gladbachstrasse, also am Zürichberg oben, wo er bis zuletzt wohnhaft blieb.

Im selben Schulhaus, in dem Georg Schmidt / Jürg Amstein unterrichtete, erhielt ich (Ernst Ostertag) 1953 die erste Anstellung als Junglehrer. Bald wussten wir "es" voneinander und so begann eine lange, schöne Freundschaft. Zusammen mit Röbi Rapp, an den er sich vom Schauspielhaus erinnerte, führte ich ihn um 1958 in den KREIS ein, wo er Abonnent wurde. Dort traf er wenig später den jungen Italiener Carlo Piccin, mit dem wir befreundet waren. Die beiden wurden ein Paar und lebten bis zu Jürgs Tod 30 Jahre lang zusammen.

Gegen Ende 1967 begann sich Jürg Amstein unter dem Pseudonym Jürg Ambach in der Nachfolge-Organisation des KREIS aktiv einzusetzen und wurde Mitbegründer der Schweizerischen Organisation der Homophilen (SOH). Für deren Zeitschrift hey schrieb er diverse Artikel und vor allem die sich über viele Jahre hinziehende Serie "Berühmte Homosexuelle". Die spezielle Folge "Homosexuelle Päpste" fand grosse Beachtung und erschien zudem in Skandinavien als Sonderdruck in schwedischer Sprache.

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Ernst Ostertag, Oktober 2004, August 2015, Juli 2019