1978

Erster CSD in der Schweiz

... mit Petition

Damals, 1978:

Bereit zum Gang an die Öffentlichkeit, bereit zum öffentlichen Sichtbarwerden und zur Stellungnahme:

"Ich gehöre auch dazu; ich bin ein Schwuler - ich bin eine Lesbe!"

Das gelingt nicht jedem und auch nicht jeder. Auf der Strasse, beim Stand mit Petitionsbogen, mit einschlägigen Büchern und Zeitschriften und der grossen Überschrift "Nicht der/die Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er/sie lebt", dort zu stehen und wildfremde Passanten anzusprechen, eine Unterschrift zu erbitten, Erklärendes zu sagen, das hat noch keine und keiner zuvor getan.

Es braucht Überwindung, es braucht Mut. Man ist echt froh um jeden und jede hinzukommende Unbekannte, die oder der sich als Mitglied einer gleichgesinnten Gruppe von irgendwo in der Schweiz vorstellt, Bogen in die Hand nimmt und mit Unterschriftensammeln beginnt. Im Kollektiv ist es einfacher. Man wird mutiger und geht sogar fröhlich auf die Leute los.

Im verregneten Nachmittag stehen Reden im Platzspitz-Park an, man flüchtet unters Dach des Orchester-Pavillons. Man ist fast gänzlich unter sich, den Aktiven. Die grosse Mehrheit der passiven Homosexuellen fehlt.

Trotzdem, der Anlass ist laut genug für ein Echo in der Presse. Die Registrierung unbescholtener Bürger scheint absurd und die Petition wird als legitime Gegenwehr akzeptiert. Das sind gute Voraussetzungen für den Erfolg der nun möglichen und nötigen weiteren Schritte.

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Ernst Ostertag, August 2011