1979

Presseorientierung

… zum Aktionstag

Flyer-Ausschnitt

Flyer-Ausschnitt

Flyer-Ausschnitt zum Ersten Nationalen Schwulen-Befreiungs-Tag, 23.9.1979, Bern.

Urheber
Urheber: SOH und HAB
Herausgeber
Besitzer: sas
Rechte
© sas
Sammlungs Nr.
ID: 0185
Flyer-Ausschnitt zum Ersten Nationalen Schwulen-Befreiungs-Tag, 23.9.1979, Bern

Im hey 6/1979 publizierte die SOH (Schweizerische Organisation der Homophilen) eine Nachricht über den geplanten Aktionstag und die Einladung dazu:1

"Am Samstag, den 23. Juni feiern die SOH und die HAB (Homosexuelle Arbeitsgruppen Bern) gemeinsam den Christopher Street Day, und zwar in BERN. Zentrales Thema: Das Homoregister der Berner Polizei. Die SOH wird auch in Bern dabei sein, wenn es um die Vernichtung dieser unsinnigen Kartei geht. Weitere Informationen findest Du auf dem beiliegenden Flugblatt."

Auf den Montag, 18. Juni luden SOH und HACH (Dachorganisation der Homosexuellen Arbeitsgruppen Schweiz) gemeinsam zu einer Presseorientierung ins Berner Restaurant Monbijou an der Mühlemattstrasse ein. Unterzeichnet hatten ihr Schreiben an diverse Redaktionen Marcel Ulmann (SOH) und Jürg Wehrli (im Auftrag der HACH). Nach einem Abschnitt zur Geschichte des CSD (Christopher Street Day) hiess es:

"Zum 10. Jahrestag organisieren die SOH zusammen mit der HACH eine nationale Kundgebung in Bern zur Erinnerung an diesen Tag. Die Einzelheiten ersehen Sie aus dem beiliegenden Programm. Vertreter der Organisationen werden Ansprachen halten.

Zusätzlich wird am Samstag ab 11 Uhr auf dem Bärenplatz oder beim Zytglogge ein Informationsstand der beteiligten Organisationen die Passanten informieren und deren Fragen beantworten. Es werden Unterschriften gesammelt für eine Petition zur Abschaffung des Berner Homo-Registers. Das entsprechende Zürcher Register wurde auf eine ähnliche Petition hin kürzlich abgeschafft."

Die Unterschriftenbogen der Petition trugen das Logo der HAB und richteten sich an den Polizeidirektor der Stadt Bern, Gemeinderat (Stadtregierung) Fritz Augstburger:

"[...] die Unterzeichneten bitten zusammen mit den Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern (HAB) um die Abschaffung und Vernichtung des Homosexuellenregisters der Berner Stadtpolizei."

Ein zusätzliches Orientierungsblatt lieferte Argumente und das nötige Hintergrundwissen:

"[...] Weg mit allen Homo-Registern!

[...] In den Berner Nachrichten [...] erklärte H. Eichmann, Beamter der Abteilung Dezernat und Sonderdienste der Berner Stadtpolizei:

'Auch wir haben eine solche Kartei.'

Eigenartigerweise weiss die Stadtpolizei knapp ein Jahr später plötzlich nichts mehr von dieser Kartei. Auf eine Nachfrage der Berner Tagwacht bestreitet die Stadtpolizei am 6. Februar 1979 die Existenz eines Homosexuellen-Registers. Wir fragen uns, ob die Polizei hier etwas vertuschen will.

Für uns ist klar, dass es auch in Bern ein Homo-Register gibt! [...]"

Beides, Unterschriftenbogen und Orientierungsblatt, lagen bei der Pressekonferenz auf, ebenso wie das detaillierte Programm.

Für Informationen und Koordination stand das HAB-Büro an der Brunngasse 17 zur Verfügung. Dort war auch der Slogan für diesen CSD kreiert worden: 1979 Bärn het Schwuli gärn.

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Ernst Ostertag, Juni 2007

Quellenverweise
1

hey, Nr. 6/1979, Seite 5