1990

Schwule Forderungen

Brief an die Kapo Bern

Bis zur endgültigen schriftlichen Festlegung dieser Forderungen und der Unterzeichnung durch die drei Organisationen brauchte es noch vier gemeinsame Sitzungen. Am 11. Juni 1990 konnten HAB (Homosexuelle Arbeitsgruppen Bern), Ursus Club Bern und SOH (Schweizerische Organisation der Homophilen) ihre Forderungen ans Polizeikommando des Kantons Bern absenden:

Brief an das Polizeikommando Kanton Bern

Brief an das Polizeikommando Kanton Bern

Drei Schwulen-Vereinigungen wenden sich an das Polizei-Kommando Kanton Bern.

Urheber
Urheber: SOH, HAB und Ursus-Club Bern
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich (sas)
Rechte
© sas
Sammlungs Nr.
ID: 0198
Drei Schwulen-Vereinigungen wenden sich an das Polizei-Kommando Kanton Bern

"Sehr geehrte Herren

Im Anschluss an die Besprechung vom 14. Mai 1990 überreichen wir Ihnen hiermit absprachegemäss unsere Forderungen. Wir verlangen:

Eine öffentliche Entschuldigung für die persönlichkeitsverachtende Art und Weise der Registrierung (Frist: 20. Juni 1990).

Das Einziehen der Formulare 'Strichjunge und Homo-Meldekarte' bei sämtlichen Dienststellen der Kantonspolizei sowie das Vernichten der Formulare (Frist: 20. Juni 1990).

Das Benachrichtigen der Registrierten von Amtes wegen durch den Datenschutzbeauftragten des Kantons Bern [...] sowie das nachfolgende Gewähren der Einsicht der Registrierten in ihre Fichen samt allfälligen Beilagen (Frist: Nach Möglichkeit 31. August 1990).

Das Beibringen des ominösen 'Zirkulars über die Einführung von [...] Meldekarten vom 16. Juni 1977' (Frist: Bis zur kommenden Sitzung).

Die Einsichtnahme in die Gesamtkartei durch den Datenschutzbeauftragten, der unsere Fragen nach separatem Katalog abklärt und die Antworten schriftlich bei der HAB [...] deponiert (Frist: Nach Absprache an der nächsten Sitzung).

Das Abklären von Einzelfragen durch das Polizeikommando nach dem beiliegenden Katalog [...] (Frist: Nach Absprache an der nächsten Sitzung).

Das vollständige Vernichten der Schwulen- und Stricherkartei nach Auswertung durch den Datenschutzbeauftragten sowie nach Einsichtnahme der Betroffenen (Frist: Nach Absprache mit dem Datenschutzbeauftragten, wenn möglich 31. August 1990).

Mit dem Erfüllen dieser Forderungen wäre ein erster Schritt zur Verbesserung des Klimas getan. Dies könnte ansatzweise auch das Erfüllen einer weiteren Grundforderung bedeuten, nämlich eine dauerhafte, positive Praxis- und Einstellungsänderung seitens der Polizei im generellen Umgang mit uns Schwulen.

Wir erwarten zu allen obigen Punkten Ihre Stellungnahme. [...]"

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Ernst Ostertag, Juni 2007