2003

Trauungs-Bericht

Röbi Rapp und Ernst Ostertag im Stadthaus Zürich

Röbi Rapp und Ernst Ostertag im Stadthaus Zürich

Röbi Rapp und Ernst Ostertag vor der Registrierung. Musiksaal des Stadthauses Zürich, 1. Juli 2003.

Urheber
Fotograf: Coni Zuppiger, Zürich
Herausgeber
Besitzer: Sammlung E. Ostertag/R. Rapp, Zürich
Rechte
© Ernst Ostertag und Röbi Rapp, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 0277
Röbi Rapp und Ernst Ostertag vor der Registrierung
Röbi Rapp und Ernst Ostertag bei der Registrierung

Röbi Rapp und Ernst Ostertag bei der Registrierung

Röbi Rapp und Ernst Ostertag bei der Registrierung im Musiksaal des Stadthauses Zürich, 1. Juli 2003. v.l.n.r. Roland Peterhans, Chef des Zivilstandsamtes; Röbi Rapp und Ernst Ostertag, Hochzeitspaar; Elmar Ledergerber, Stadtpräsident von Zürich.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Stadt Zürich
Rechte
© Stadt Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 0278
Röbi Rapp und Ernst Ostertag bei der Registrierung im Musiksaal des Stadthauses Zürich, 1. Juli 2003

Über den Verlauf des Tages gaben wir uns später schriftlich Rechenschaft:

"Morgens kurz vor sieben steht ein Zweierteam des Fernsehens DRS 'Schweiz Aktuell' vor dem Haus. Es regnet in Strömen. Es ist kühl. Wir geben ein Kurzinterview vom Balkon hinunter und laden sie in die Wohnung ans Trockene. Bald stösst ein Reporter von TeleZüri dazu, Kamera geschultert, Mikrofon in der Hand. Dann treffen die 'Trauzeugen' ein, unsere Freunde Christian Fuster und Rainer Vock. Auch sie sofort im Visier der Medienleute.

07.20 verlassen wir das Haus und setzen dabei die Interviews fort. Dann spannen die 'Trauzeugen' als Organisatoren des Tages die grossen Schirme auf und führen uns zur ersten ihrer Überraschungen: Eine veritable Hochzeitskutsche mit zwei Schimmeln davor wartet in einem nahen Durchgang. Also genau, was wir nicht wollten, die Kopie einer traditionellen Hochzeit. - Doch sie mochten recht haben, auch das mussten wir als eines jener bildhaften Zeichen von Normalität und Gleichberechtigung stehen lassen. Um sie geht es heute. Zu viert nehmen wir Platz, der Kutscher gibt sein Zeichen, langsam fahren wir los, dem See entlang zum Bellevue und weiter, von vielen Leuten im Stossverkehr schmunzelnd oder mit fragenden Blicken verfolgt, bis wir vor dem Stadthaus anhalten. Blitzlichter von allen Seiten, sogar den Ausstieg aus der Kutsche müssen wir wiederholen.

Unter den Eingangsbogen stehen, Blumen in den sechs Regenbogenfarben hochhaltend, Freundinnen und Freunde von LOS (Lesbenorganisation Schweiz), Pink Cross (Dachverband Schwulensekretariat Schweiz), Network (Verein schwuler Führungskräfte), HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich), Andersheim (Verein Lesben und Schwule in Alterswohnungen) und weiteren schwul-lesbischen Organisationen. Wir schreiten durch das Spalier, drücken viele Hände, da und dort ein Wort, eine Umarmung. Alle sind bewegt.

Im Innenraum, der offenen Halle, drängen sich die Leute. Verwandte, Bekannte, Freunde und viele noch nie gesehene Gesichter. Wir fahren im Lift hoch und betreten den 'Musiksaal'. In der Mitte ein runder Tisch, blumendekoriert. Vier Stühle. In einer Ecke etwa 40 Reporter mit ihren Bildkanonen, daneben ein Buffet, gedeckt für den Apéro. Links der Türe zwei Stuhlreihen für Ältere, dann ein Kleinflügel, zwei Musiker. Im Raum stehen gut 160 Menschen und noch viele drängen nach.

Punkt 8.30 Uhr begrüsst der Stadtpräsident alle Gäste. Nach Klängen von Joh. Seb. Bach (Klavier und Flöte) leitet er über zur eigentlichen Registrierung. Die Ansprache ist persönlich und an uns gerichtet. Er streift auch die Verfolgung durch Polizeiorgane und die durch kein Recht gedeckte Repression der 50er und 60er Jahre. Und er drückt seine besondere Befriedigung aus, dass jetzt das damals negative Wort 'Registrierung' durch den heutigen positiven Vorgang eine ganz neue, nämlich integrierende statt ausschliessende Bedeutung erhalte.

Herr Peterhans, Chef des Zivilstandsamtes, hält eine kurze besinnliche Einführung und fordert uns auf, den Registerbogen Nr.1 auf Seite 1 zu unterzeichnen, was wir mit den dazu vorbereiteten Worten tun: 'Mit dieser Unterschrift bestätige ich meinen Willen, die bald 47-jährige Partnerschaft mit dir, Ernst (Röbi), so wie bisher weiterzuführen.' Dann weist er als Meister des Geschehens auf die vor uns liegenden Ringe. Röbi liest den Satz: 'Zum Zeichen des offiziellen JA zu unserer Partnerschaft wollen wir uns gegenseitig noch einmal jene Ringe schenken, die wir uns seinerzeit zum zweiten Jahrestag machen liessen.' Jeder steckt dem anderen seinen Ring an den Finger. Da hören wir Applaus rundum und sind plötzlich den Tränen nahe. Doch das verbergen wir rasch mit dem Hochzeitskuss.

    Als erster gratuliert der Stadtpräsident und nickt, nun sei Zeit für unsere Ansprache."

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Ernst Ostertag, Oktober 2008